Hörgeräte erhöhen Karrierechancen

Zürich, 1. Juni 2015. In der Schweiz gibt jede zwölfte Person an, Hörprobleme zu haben. Bei den Erwachsenen ist sogar jeder Zehnte betroffen. 2015 untersuchte die EuroTrak-Studie des Verbandes der Hörgerätelieferanten der Schweiz (HSM) zum zweiten Mal die «Hörsituation» und dokumentierte die Gegebenheiten für die Betroffenen. Das Fazit: Weniger hören wird trotz negativer Auswirkungen, zum Beispiel auf die Gesundheit oder den beruflichen Werdegang, lange unbehandelt akzeptiert. Dies, obwohl Hörgeräteträger weniger zu Depressionen oder Demenz neigen und im privaten wie auch beruflichen Umfeld besser integriert sind.

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Weltweit sind gemäss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 15% der erwachsenen Bevölkerung von einem Hörverlust betroffen. In der Schweiz gibt gemäss der EuroTrak-Studie 2015 jeder zehnte Erwachsene an, Hörprobleme zu haben. Insgesamt sprechen 8% der Schweizer Bevölkerung von einer Hörminderung, der Anteil versorgter Hörminderungen blieb konstant. «Da auch leichte Hörschädigungen das tägliche Leben beeinträchtigen und zu Einbussen bei der Lebensqualität führen, gibt es hier Nachholbedarf. Die Studie zeigt, dass nur rund 41% der Betroffenen ein Hörgerät tragen», kommentiert Luca Mastroberardino, Sprecher des Verbandes der Hörgerätelieferanten, die Entwicklung.

Anteil Bevölkerung mit Hörminderung/ mit Hörgerät, HSM EuroTrak Studie 2015
Grafik: Anteil Bevölkerung mit Hörminderung/ mit Hörgerät, HSM EuroTrak-Studie 2015

Hörgeräte sorgen für Integration

Bei der Erkennung des Hörverlusts kommt Fachpersonen eine hohe Bedeutung zu. 76% der Personen, die einen Hörtest machen liessen, taten dies bei ihrem Hausarzt, einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder bei einem Akustiker. Wobei die Mehrheit der Befragten nur sehr unregelmässig einen Hörtest machen lässt. In der Studie gaben 12% an, in den letzten zwölf Monaten einen Hörtest gemacht zu haben. 35% machten dies in den letzten fünf Jahren und 44% haben noch nie einen Hörtest gemacht. Aber nur die Hälfte der Personen, die eine subjektiv wahrgenommene Hörminderung hat, macht den nächsten Schritt und lässt sich von einem Akustiker beraten. Die Adaptionsrate, d.h. die Anzahl Personen, die ein Hörgerät tragen, variiert stark nach Altersgruppe: Liessen 54% der über 65-Jährigen ihren Hörverlust versorgen, sind es in der Altersgruppe 45-64 Jahre noch knapp 25% und bei den unter 44-Jährigen nur noch rund 18%.

Dem Hörgerät haftet immer noch ein gewisses Stigma an. Völlig unbegründet, wie die EuroTrak-Studie zeigt: 95% der befragten Hörgeräteträger gibt an, dass sie nie oder selten Zielscheibe von Gespött oder Ausgrenzung sind. Es ist eher das Gegenteil der Fall. 20% der Befragten ohne Hörgerät fühlen sich gelegentlich gehänselt oder ausgegrenzt. Aber nicht nur die soziale Ausgrenzung beeinträchtigt die Lebensqualität. Als Folge der nicht versorgten Hörminderung können gemäss der EuroTrak-Studie Betroffene verstärkt zu Depressionen neigen und anfälliger für Demenzsymptome werden. Während 59% der Hörgeräteträger nie zu depressiven Symptomen neigen, sind es bei Betroffenen ohne Hörgeräte nur 39%. Zusätzlich zeigte die Studie, dass Personen mit versorgter Hörminderung sich abends weniger erschöpft fühlen und besser schlafen können als Personen ohne Hörgerät. Das Tragen eines Hörgerätes bewirkt also weit mehr als nur die reine Behebung der Hörminderung, da es sich auf das allgemeine Wohlbefinden auswirkt.

Positive Effekte beim Tragen eines Hörgerätes, HSM EuroTrak Studie 2015
Grafik: Positive Effekte beim Tragen eines Hörgerätes, HSM EuroTrak-Studie 2015

Hohe Zufriedenheit im Privat- und Berufsleben

81% der Hörgeräteträger sind mit ihrem Hörgerät gesamthaft zufrieden; ein Wert, der zu den höchsten in Europa zählt. Auch ist die grosse Mehrheit von der Funktionalität ihres Gerätes, das sie rund neun Stunden am Tag tragen, überzeugt. In der Studie geben 54% an, dass ihr Hörgerät besser als erwartet funktioniert, für 26% funktioniert es wie erwartet. Nur 20% sind unzufrieden mit der Funktionsweise ihres Gerätes. «Ein Hörgerät ist ein sehr individuelles Produkt. Man sollte sich durch einen Arzt oder Akustiker beraten lassen, denn die Hörkorrektur braucht eine Eingewöhnungszeit. Dadurch, dass viele Betroffene erst spät reagieren, ist das wiederhergestellte Hören mit dem Hörgerät zu Beginn ungewohnt. Das Gehirn muss sich erst wieder an das richtige Hören gewöhnen», sagt Luca Mastroberardino zu der Unzufriedenheit, die zu Ablehnung führen kann. Weitere Gründe, auf ein Hörgerät zu verzichten, sind gemäss Studie die subjektive Wahrnehmung, noch ausreichend zu hören, beziehungsweise, dass die Hörminderung noch nicht schwerwiegend genug sei.

Dabei wirkt sich das Tragen eines Hörgerätes durchwegs positiv aus. 95% und mehr der Hörgeräteträger geben in der EuroTrak-Studie an, dass sich das Tragen eines entsprechenden Gerätes sowohl im Privat- als auch im Berufsleben spürbar positiv auswirkt. So verbessert sich die Kommunikation signifikant, die Teilnahme an Gruppenaktivitäten fällt leichter und das Sicherheitsgefühl nimmt zu. Dies wirkt sich nicht nur im privaten Umfeld positiv aus. Hörgeräteträger gehen davon aus, dass Personen mit unbehandelter Hörminderung schlechtere berufliche Karrieremöglichkeiten haben. Dies sowohl bei der Jobsuche, aber auch bei Beförderungen oder Lohnverhandlungen. 

Die Sozialversicherungen beteiligen sich

Wird ein Hörproblem ärztlich attestiert, haben Betroffene einen Anspruch auf einen finanziellen Beitrag durch die Invalidenversicherung (IV). Dies, wenn die Hörminderung einen gewissen Schweregrad übersteigt. Die IV zahlt unabhängig vom Preis des Hörgerätes eine fixe Pauschale für ein Hörgerät beziehungsweise für je eines für jede Seite. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre gelten separate Bestimmungen wie auch höhere Pauschalen. Ausserdem bezahlt die Alters- und Hinterbliebenenversicherung (AHV) Beiträge an Pensionierte. Diese Beitragszahlungen sind aber 54% der Betroffenen nicht bekannt.

Informationsmaterial EuroTrak 2015